Newsletter Ausgabe 06 / Winter 2018


 

Wir stellen vor: Sigrid Petto, Pädagogische Fachberaterin

Kita Stallschreiberstraße

Das Haus der Kinder – Offene Arbeit nach Konzept

Medientipp: Der Gewitterritter

 


 

Liebe Eltern, liebe Mitarbeiter/-innen

wir wünschen Ihnen ein glückliches und gesundes 2018! Und einen guten Start in die zweite Hälfte des Kitajahres, in dem unsere Kinder sich auf Höhepunkte wie Fasching und Ostern freuen können. In diesem Vielfalter stellen wir Ihnen die Kita Stallschreiberstraße und das Konzept der Offenen Arbeit vor, auf dessen Basis das Kita-Team seit einigen Jahren mit Kindern und Eltern zusammenarbeitet. Gerade für Erzieher/-innen bietet die offene Arbeit vielfältige Möglichkeiten, die pädagogische Arbeit, die Kollegen/-innen und die Kinder aus neuen Perspektiven zu erleben. Ich wünsche allen eine inspirierende Lektüre! Gudrun König, Bereichsleiterin Orte für Kinder

 


 

 

Wir stellen vor

Sigrid Petto ist bei Orte für Kinder seit 2004 als Pädagogische Fachberaterin tätig. Als staatlich anerkannte Erzieherin begann sie ihre Arbeit beim Träger in einer Kita in Mariendorf, in der sie auch die Leitung übernahm. Die nebenberufliche Weiterqualifizierung in der Erwachsenenbildung durch die Lehrqualifikation Motopädagogik, das Studium Bildungs- und Sozialmanagement sowie die Ausbildung zur internen Evaluatorin runden ihr Profil ab. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören die Beratung und Fortbildung der Kita-Teams, zum Beispiel im Hinblick auf die Umsetzung des Berliner Bildungsprogramms, die Moderation von Träger-AGs für Krippenerzieher/-innen und Facherzieher/-innen für Integration sowie der kontinuierliche Ausbau und die Verwaltung der trägereigenen Fachbibliothek Pädalibri.

 


 

Kita Stallschreiberstraße

Seit der Eröffnung der Kita Stallschreiberstraße 2014 als Nachfolgerin der Kita Alexandrinenstraße bietet sie in bestens ausgestatteten Räumen auf zwei Stockwerken Platz für 130 Kinder im Alter ab neun Monaten bis zum Schuleintritt. Ihren Entwicklungsweg begleitet und fördert das Kita-Team um die stellvertretende Kitaleiterin Bettina Pöschk in der Offenen Arbeit nach dem Early-Excellence-Ansatz.

 

Frau Pöschk, was kann man sich unter dem Early-Excellence-Ansatz vorstellen?

Im Zentrum steht eine ressourcenorientierte Sicht auf das Kind im Sinne von »Wir stärken, was Du kannst«. Bereits vor einigen Jahren haben wir uns auf den Weg gemacht, den pädagogischen Ansatz der Offenen Arbeit umzusetzen. Unsere Gruppenräume haben wir dafür in Schwerpunkträume umgestaltet. So haben die Kinder größere Handlungs- und Entscheidungsspielräume und damit ein Erfahrungsumfeld, in welchem sie sich selbst nach ihren eigenen Interessen und Themen orientieren können. In unserer pädagogischen Arbeit liegt der Fokus darauf, ihre Stärken zu erkennen und zu fördern – und ihnen zu ermöglichen, Neues zu lernen.

 

Die Kinder können also nicht machen, was sie wollen?

Nein, natürlich gibt es auch bei uns Regeln. Unser Ampelsystem beispielsweise funktioniert so, dass farbige Schilder den Kindern zeigen, ob ein Raum gerade für sie zugänglich ist oder nicht. Wir trauen den Kindern viel zu. Sie lernen, sich selbst zu organisieren und ihre Angelegenheiten selbstständig zu klären. Die Kinder können in der gesamten Einrichtung spielen und erreichen nicht nur mehr Kinder, sondern auch mehr Erzieher/-innen, die ihnen bei der Umsetzung ihrer Bedürfnisse und Ideen zur Seite stehen. Die Kinder werden selbstbewusster und übernehmen mehr Verantwortung. Unser Ziel ist es, ihnen Lebenskompetenzen zu vermitteln wie Lösungen für Probleme zu suchen und dabei nicht schnell aufzugeben.

 

Was bedeutet das Offene Konzept für die Erzieher/-innen?

Auch für sie ist die Arbeit eine vielfältige Herausforderung. Die Erzieher/-innen sind Begleiter, Lernpartner, aktive Zuhörer, Unterstützer und Berater. Aus ihren Beobachtungen heraus schaffen sie für die Kinder die jeweiligen Bedingungen für eine optimale Förderung. Dabei spielt es keine Rolle, ein definiertes Ziel zu erreichen, sondern wie die Kinder ihr Ziel erreichen. Die Bereitschaft für eine offene Kommunikation im Team und zur ständigen Veränderung, Konfliktfähigkeit und Verantwortung zu übernehmen, sind wichtig in der Zusammenarbeit. Unsere Erzieher/-innen werden nach ihren Stärken eingesetzt und wir sind ständig im Gespräch, um konstruktiv gemeinsam den Kita-Alltag zu meistern.

 


 

Das Haus der Kinder

Zu Besuch in der Kita Stallschreiberstraße, wo das Kita-Team

seit einigen Jahren in der Offenen Arbeit nach dem Berliner

Bildungsprogramm mit Kindern und Eltern zusammenarbeitet.

 

Es ist morgens um halb neun, die ersten Kinder treffen in der Kita ein und werden im Foyer von einer Erzieherin begrüßt. Auf einer Schautafel sind die einzelnen Funktionsräume übersichtlich dargestellt. Es gibt einen Bau-, Sport-, Spiel-, Musik- und Kreativraum, einen Raum der Sinne und ein Kinderbüro mit Schreibtisch, Rechenmaschine und Telefon. Namensschilder
zeigen an, welche Erzieher/-innen in welchem Raum für die Kinder da sind.

 

Iris und Navya entscheiden sich für den Sportraum, wo sie an einer Hängeleiter klettern oder von einem Podest auf eine große weiche Matte springen können. Erzieherin Jessica gibt ihnen Hilfestellung, wenn gewünscht. Die beiden Fünfjährigen sind dicke Freundinnen. Iris Eltern kommen aus Portugal, Navyas stammen aus Indien. 75 Prozent der Kitakinder haben einen Migrationshintergrund, weshalb das Erlernen der deutschen Sprache neben Spielen, Toben im Garten, Musikmachen und vielem mehr ein wichtiger Teil des Kita-Alltags ist. Im Erdgeschoss wurde für die kleineren Kinder bis drei Jahre ein räumlich getrennter Nestbereich eingerichtet. Aktuell kümmern sich dort bis zu fünf Erzieher/-innen um 24 Kinder.

 

Der zweijährige Lasse nimmt in der Garderobe seine Brotbox aus der Tasche und geht selbstständig in die Spielkantine, um in Ruhe zu frühstücken. Hier treffen sich mittags alle Kinder zu verschiedenen Zeiten zum Mittagessen. Die Erzieher/-innen im Kleinkindbereich können sich darauf verlassen, dass Lasse auf seinem Weg in die Spielkantine und wieder zurück gut betreut wird. »Jede Erzieherin ist für die Kinder verantwortlich, die sie im Blickfeld hat. Und es geht! Wichtig ist, dass wir uns miteinander abstimmen«, erklärt die stellvertretende Kitaleiterin Bettina Pöschk.

 

Im ganzen Haus sind inzwischen Kinderstimmen und Fußgetrappel zu hören und schnell wird Besuchern klar: Das Haus gehört den Kindern, die es selbstbewusst mit Leben füllen. In der Offenen Arbeit sind Erwachsene und Kinder gleichermaßen aktiv an der Gestaltung der eigenen Umwelt beteiligt.

 

Für Gespräche mit den Eltern und Verantwortlichkeiten für das Führen der Lerndokumentationen gibt es feste Ansprechpartner und Bezugserzieher/-innen. Die Eltern der vierjährigen Karla waren anfangs skeptisch, ob das offene Konzept aufgeht. »Es zeigte sich aber, dass die Kinder gut und gerne für sich entscheiden können«. Erzieherin Nora ist noch neu im Team und hat vorher in einer anderen Kita mit Gruppenbereich gearbeitet. Sie hatte Lust, sich auf die Offene Arbeit einzulassen und ist fasziniert davon, wie offen und selbstständig die Kinder sind. »Erwachsene fungieren als Begleiter, Zuhörer und Helfer und geben nicht die Richtung vor. Die Kinder öffnen sich buchstäblich selbst die Türen gemäß ihrer Stärken«.

 

 


 

Medientipp: Der Gewitterritter

Eltern und Erzieher kennen diese Momente nur zu gut, wenn aus ihren Kindern oft ganz unverhofft die Wut herausbricht. »Der Gewitterritter« ist ein Bilderbuch über ein starkes Gefühl, das als Ritter auf einem Pferd die Handlung bestimmt. Begleitet werden die ausdrucksstarken Bilder durch Reime, die beschreiben, wie sich das Wütend-Sein anfühlt. Parallel dazu erscheint auf jeder Seite im unteren Teil ein kleiner Junge, der sich von einem fröhlichen in ein aufgebrachtes Kind verwandelt. Bis sich am Ende die Wolken verziehen und die Sonne wieder scheint. Die Dramatik des Geschehens regt die Fantasie und Neugier der Kinder an, indem sie sich fragen, warum der Junge wütend wird und warum er sich am Ende wieder beruhigt. Im Austausch darüber können auch die eigenen Gefühle der Kinder thematisiert werden. Und kennen wir das nicht auch nur zu gut von uns selbst – dass es nicht immer einfach ist, die eigene Wut zu besänftigen?

»Der Gewitterritter: Ein Wut- und Wetterbilderbuch« Kai Lüftner und Eva Muszynski, Klett Verlag, ab 4 Jahren, empfohlen von Sigrid Petto

 


Herausgeber: Orte für Kinder GmbH, Geschäftsführer: Karsten Tamm, Michael Sadowski, Christian Hubert, Kopernikusstraße 23, 10245 Berlin, Telefon: 347 476 166, www.ortefuerkinder.de, Redaktion / Text: Anja Karrasch, Christoph Ziegler, redaktion@ortefuerkinder.de, Fotografie: Lena Giovanazzi

 


 

 

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